Methoden: Traumasensible Paarbegleitung und Imago


Traumasensible Paarbegleitung

Wenn Beziehungsmuster besonders hoffnungslos und eskalierend ablaufen, steckt womöglich eine traumatisierende Kindheitserfahrung dahinter. Bei der Hälfte aller Paare hat zumindest ein Partner eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Diese entsteht, wenn Kinder in gehirnphysiologisch sensiblen Reifungsphasen von ihren nahen Bezugspersonen verletzt oder bedroht werden. Das kann durch körperliche oder psychische Gewalt, sexuellen Missbrauch, psychische Erkrankungen, Substanzmittelmissbrauch oder Selbstmord eines Elternteils entstehen.

Die Auswirkungen zeigen sich im Erwachsenenalter auf unterschiedliche Weise: sexuelle Störungen, Schwierigkeiten bei der Affektregulation, Panikattacken, physische Symptome wie etwa Kopfweh, psychische Probleme bishin zu suizidalem Verhalten. Die Erinnerung an die Erlebnisse in der Kindheit sind dabei oft unbewusst verdrängt, weil sie nicht leicht zu ertragen sind. Stellvertretend wird häufig der Partner kritisiert, durch den Gefühle der Vergangenheit reaktiviert und auf ihn projiziert werden. Das Trauma speist unbewusst die wiederkehrenden Krisen des Paars, es kommt sehr häufig und meist auch heftig zu Streit. Da intensiver Streit auf Dauer jede Beziehung zerstört, ist das Erlernen des Streitausstiegs die Grundlage für die Paarbegleitung.

Im Verlauf der weiteren Traumabegleitung werden wir Übungen machen, um traumatische Szenen der Kindheit zu erfassen und auszudrücken und in Folge auch zu integrieren. Dazu zeige ich Ihnen auch Techniken aus der Traumatherapie, die Sie auch als Einzelperson durchführen können.

Um zu erkennen, ob Sie unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung leiden, können sie hier einen Test von meiner Ausbildnerin Dr.Katharina Klees hinunterladen. TEST PDF


Imago

Grundidee der Imago Therapie nach Harville Hendrix ist, dass unverarbeitete Konflikte und Verletzungen aus unserer Kindheit unsere Beziehungen belasten beziehungsweise verhindern. Da, wo Verletzungen sehr stark sind, kann der andere gar nicht mehr richtig wahrgenommen werden, nur verzerrt durch die Verletzungsbrille.

Mit dem Begriff Imago ist ein zusammengeschmolzenes Bild von all jenen Personen und Eigenschaften gemeint, die in der Kindheit wichtig und präsent waren, im Guten wie im Schlechten. Unbewusst suchen wir beim Verlieben nach diesem Bild. Daher auch oft das einzigartige Gefühl, als ob man einander schon lange kennen würde. Die vielen “Imago Eigenschaften” sind am Anfang sehr anziehend. Später entdecken wir auch die weniger angenehmen, die oft frappant an die Herkunftsfamilie erinnern, und wir fühlen uns betrogen.

Doch genau in dieser “Imagobeziehung”, die unsere alten verletzten Gefühle wieder wach macht, wartet auf uns die Chance der Heilung, diese kann da passieren, wo wir mit unserer Verletztheit wahr – und ernst genommen werden.

Zum näheren Verständnis hier noch ein kurzes Märchen


Ablauf einer Imagositzung

In einem wertschätzenden Rahmen begleite ich Paare oder Familienmitglieder bei einem Gespräch. Darin ist eine*r Zuhörer*in und die*der andere “spricht von Herzen”- über ihr*sein Erleben, ihren*seinen Schmerz, ihre*seine Bedürfnisse. Der*die Zuhörer*in spiegelt im Gespräch den*die andere*n, in dem er*sie das Gehörte wiederholt. Er*sie erwidert nichts, lässt seine*ihre Sicht beiseite.

Dadurch kann der*die sprechende Partner*in langsamer werden, sich selber besser wahrnehmen, aus dem Vorwurf kommen und sich verstanden fühlen. Beziehungsmuster können sichtbar werden und aufbrechen. Ein konstruktiver Weg wird sichtbar, indem Bedürfnisse formuliert und Bitten ausgedrückt werden. Durch das Anerkennen des Gehörten können sich Standpunkte entspannen.

Ich unterstütze das Gespräch darin, dass es in einer empathischen Haltung verläuft. Meine wesentliche Aufgabe ist, den Rahmen sicher zu halten, so dass sich keiner der Beteiligten angegriffen fühlt, selbst wenn die Ausgangsstimmung schwierig ist. Für mich ist es oft sehr berührend mitzuerleben, wie Paare ein Ausmaß an Nähe miteinander erfahren, das sie mitunter zuletzt in der Verliebtheitsphase erlebt haben.